Was halten Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen eigentlich von Schulbegleitung?

Jeder Mensch hat ein Recht darauf, gehört zu werden und mitzuentscheiden.

Das gilt auch für Menschen mit Behinderungen.

Darum lautet das weltweite Motto der Behindertenbewegung:

„Nichts über uns – ohne uns!“

Auch Kinder haben ein Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung – in Übereinstimmung mit ihrem Alter und Entwicklungsstand.

Das sagt die UN-Kinderrechtskonvention.

Und so ist es bei uns in einem Sozialgesetzbuch festgeschrieben.

Trotzdem bleiben Kinder bei Entscheidungen, die sie betreffen, sehr oft außen vor.

Das gilt ganz besonders für Kinder mit Behinderungen.

Das Bild zeigt vier weiße Luftballons vor einem blauen Himmel.

In Hamburg wird gerade wieder sehr heftig über Schulbegleitung gestritten.

Viele betroffene Eltern beschweren sich, dass die Schulbehörde die frisch angekündigten Sparmaßnahmen über ihre Köpfe hinweg beschlossen hat.

Sie befürchten, dass ihre Kinder kaum noch an Bildung teilhaben werden.

Doch was halten eigentlich behinderte Kinder und Jugendliche von Schulbegleitung?

Viele von ihnen kennen Schulbegleitung aus eigener Erfahrung, sind also Experten in eigener Sache.

Trotzdem kommt kaum jemand auf die Idee, Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen nach ihren Erfahrungen mit Schule und Schulbegleitung zu fragen.

Auf einer grünen Kreidetafel ist in weißer Schrift zu lesen: "Niemand mag meinen Schulbegleiter. Darum habe ich keine Freunde. Niemand vertraut mir seine Geheimnisse an. Und ich kann auch keine Geheimnisse haben." Darunter ist in Weiß ein trauriges  Smiley gemalt.

Der Bundesverband behinderter Pflegekinder hat 2025 eine Handreichung zur inklusiven Pflegekinderhilfe vorgelegt.

Fachkräfte, Pflegeeltern und Pflegekinder mit Behinderungen haben diese Handreichung gemeinsam erarbeitet.

Darin geht es auch um das Thema Schule und Schulbegleitung.

Drei Kinder schildern ihre Erfahrungen, die sie mit Schulbegleitung gemacht haben:

Ein 11jähriger Schüler mit FASD sagt, er möchte keine Schulbegleitung mehr.

Denn seine Schulbegleitung sei unbeliebt.

Darum habe er keine Freunde.

Niemand vertraue ihm Geheimnisse an.

Und er selbst könne auch keine Geheimnisse haben.

Ein Mädchen mit ADHS fragt sich, warum nur sie eine Begleitung hat – und die anderen Kinder nicht.

Ein Kind mit Insulin-Pumpe erklärt:

Weil mich eine Krankenschwester begleitet, merken die anderen Kinder, dass ich anders bin.

Auf der linken Seite des Bildes sieht man eine Gruppe roter Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Figuren eng nebeneinander stehend. Auf der rechten Bildseite steht eine einzelne schwarze Spielfigur, mit deutlichem Abstand zu den andern.

Mich haben diese Aussagen sehr berührt.

Sie zeigen:

Kinder mit Behinderungen nehmen ihre Schulbegleitung als etwas wahr, das sie von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern unterscheidet.

„Ich bin anders, weil ich behindert bin.“

Dabei geht es bei Inklusion doch um das genaue Gegenteil.

Inklusion geht davon aus, dass Vielfalt normal ist.

„Ich bin anders, du bist anders.“

Weil kein Mensch gleich ist.

Aus menschenrechtlicher Sicht ist kein Mensch behindert.

Ein Mensch wird behindert – durch das Zusammenspiel von gesellschaftlichen und umweltbedingten Barrieren und individuellen Beeinträchtigungen.

Wie wäre es, wenn es an Schulen eine Krankenschwester gibt, die für alle Kinder zuständig ist – und nicht nur für das Kind mit Diabetis.

Wie wäre es, wenn Schule und Unterricht so gestaltet werden, dass sie für Kinder mit FASD oder ADHS nicht regelmäßig zur Überforderung werden.

Ich bin mir sicher: Davon würden alle profitieren.

Es geht darum, bestehende Barrieren in Schulen weiter abzubauen.

Damit alle möglichst selbst bestimmt teilhaben können und individuelle Schulbegleitung überflüssig wird.

Ein Mensch in Jeanshose und roten Turnschuhen lässt seine Beine über die Rückenlehne einer weißen Bank baumeln. Man sieht nur Beine und Füße dieses Menschen. Im Hintergrund sieht man grüne Bäume und Büsche unter einem blauen Himmel.